Weitere therapeutische Aspekte

Ein Multiples Myelom ist eine schwerwiegende Erkrankung, die unter vielerlei Gesichtspunkten die Aufmerksamkeit von Patient und Ärzten notwendig macht. Das Immunsystem ist geschwächt. Die Knochen „tragen“ nicht mehr so gut wie „früher“. Die Mobilität ist eingeschränkt. Neurologische Probleme treten auf. Die Psyche ist belastet. Man hat mit Nebenwirkungen zu kämpfen. Hier bedarf es überall eines sorgsamen „therapeutischen Blicks“, und entsprechender Maßnahmen zur Linderung von Schmerzen und Erleichterung der individuellen Lebenssituation. Je sorgfältiger und intensiver man sich - begleitend zur „Haupttherapie“ – um weitere notwendige und empfohlene Behandlungen kümmert, desto besser für den Patienten und dessen Lebensqualität. „Achtsamkeit“ für sich und den eigenen Körper ist entscheidend.

Achtung vor Infektionen!

Normalerweise machen wir uns nicht bewusst, wie wichtig unser Immunsystem ist. Anders bei einer Erkrankung wie dem Multiplen Myelom. Hier kann der Körper zu einer „offenen Tür“ werden, Angreifer wie Bakterien, Viren und Pilze haben ein viel leichteres Spiel als bei gesunden Menschen. Denn das Immunsystem ist gleich durch zwei Ursachen geschwächt: durch die Erkrankung selbst und durch die Therapie. Deshalb ist es wichtig, sich vor möglichen Infektionen zu schützen und regelmäßig die Blutwerte untersuchen zu lassen. Wichtig: Schon bei ersten Anzeichen einer Infektion, vor allem bei Fieber, muss sofort der Arzt aufgesucht werden, denn eine Infektion kann zu einer sogenannten Sepsis („Blutvergiftung“) führen, die möglicherweise lebensbedrohlich wird. Zum Schutz vor Infektionen kann der Patient in bestimmten Therapiephasen auch prophylaktisch mit Antibiotika behandelt werden. Der enge Kontakt mit möglichen Infektionsquellen sollte gemieden werden. Stichworte: Schimmel, Biomüll, Staub, Gartenerde, verdorbenes Essen, Menschenansammlungen, Tiere. Wurde man mit einer Hochdosis-Chemotherapie und Stammzelltransplantation behandelt, ist rund drei Monate danach noch besonders auf Infektionsgefahren zu achten.

Kyphoplastie

Bei vielen Patienten kommt es auch zu einer Reaktivierung des Windpockenvirus. Dies zeigt sich als sogenannte Gürtelrose, medizinisch Herpes Zoster. Die Symptome: bandförmige Bläschen und Krusten, Jucken und Schmerzen die mitunter stark sein können. Bei bestimmten Therapien empfiehlt sich deshalb eine medikamentöse Prophylaxe gegen das Herpes Zoster-Virus.

Den Körper stützen!

StützkorsettVor allem die Wirbelsäule kann aufgrund der Knochenschädigungen beeinträchtigt werden. Hier kann der Orthopäde helfen. Zum Beispiel durch die vorübergehende Anpassung entsprechender Stützkorsetts für den Wirbelsäulen- und Halswirbelbereich. Manche Fälle machen eine sogenannte Kyphoplastie zur Schmerzlinderung notwendig. Dabei wird in einem minimal-invasiven Eingriff Knochenmasse in geschädigte Wirbelkörper eingespritzt, die Funktionalität der Wirbelkörper und die Schmerzsituation des Patienten kann dadurch verbessert werden.

  • Allgemeine Hygienemaßnahmen beachten!
  • Bei Fieber sofort zum Arzt!
  • Nach Hochdosischemotherapie und Blutstammzelltransplantation Impfschutz auffrischen lassen!
  • Ausgeglichene Ernährung!<
  • Nach der Therapie nur gut durchgekochte Speisen und geschältes Obst und Gemüse!
  • Viel Flüssigkeit zu sich nehmen!
  • Diäten und Nahrungsergänzungsmittel vermeiden!
  • Bewegung und Aktivität!
  • Psychotherapeutische Hilfs- und Unterstützungsangebote nutzen!
Quellen:
  1. Patienten-Handbuch „Multiples Myelom“ Medizinische Klinik V, Universitätsklinikum Heidelberg und Nationales Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg (NCT) 13. überarbeite Auflage, Heidelberg 2014
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