Hochdosischemotherapie und Blutstammzelltransplantation

Eine Blutstammzelltransplantation (SZT) ist nach heutigem Kenntnisstand die Therapieform, die am ehesten zu einer nachhaltigen Rückführung des Multiplen Myeloms führen kann. Daher wird die SZT bei geeigneten Patienten meist im Rahmen der ersten Therapie herangezogen. Sie kann aber auch bei einem Rückfall der Erkrankung angezeigt sein. Eine SZT wird immer von einer hochdosierten Chemotherapie begleitet.

Grundsätzlich stehen zwei verschiedene Varianten zur Verfügung: die sogenannte autologe SZT, bei der dem Patienten die eigenen Blutstammzellen entnommen werden, oder aber die allogene SZT. Bei dieser Form kommen Stammzellen eines geeigneten Spenders zum Einsatz. Das für die Transplantation benötige „Stammzellenmaterial“ wird entweder aus dem Knochenmark oder aus dem Blutkreislauf (des Patienten beziehungsweise des Spenders)entnommen. Die autologe SZT kommt beim Multiplen Myelom deutlich häufiger zum Einsatz.

Was ist eine Blutstammzelltransplantation und wie läuft sie ab?

Die sogenannten Blutstammzellen sind noch nicht spezifizierte Blutzellen, sie sind die Basis für die Blutbildung. Aus ihnen entstehen die roten und weißen Blutkörperchen.

Beim Multiplen Myelom wird zu Beginn („initial“) eine sogenannte Induktion durchgeführt, um ein möglichst gutes Ansprechen zu erreichen: Dabei wird das gesamte Knochenmark des Patienten einer „Totalbehandlung“ unterzogen. Das Ziel: Alle Knochenmarkzellen und damit auch die malignen Myelomzellen vollständig zu zerstören. Um dies zu erreichen, erhält der Patient eine Hochdosischemotherapie. Das Ergebnis ist zunächst die weitgehend komplette Zerstörung des Knochenmarks, im Idealfall einschließlich aller Tumorzellen. Das zerstörte Knochenmark wird dann durch gewonnene Stammzellen ersetzt: Stammzellen, die entweder vom Patientenselbst stammen oder von einem Spender. Diese Übertragung erfolgt – wie bei einer Bluttransfusion – über die Vene des Patienten. In den Markkanälen der Knochen beginnen die neuen Stammzellen dann wieder neue „funktionierende“ Blutkörperchen zu bilden. Bis dieser Prozess abgeschlossen ist und die Blutwerte sich erholt haben, dauert es in der Regel einige Wochen.

Stammzellen können entweder über ein Leukapherese genanntes Verfahren aus dem Blutkreislauf oder über die Entnahme von Knochenmark gewonnen werden. Bei der Leukapherese wird Blut aus der Vene des Patienten gesammelt, die Stammzellen werden dann in einem längeren technischen Prozess gewonnen. Die Stammzellenentnahme aus dem Blutkreislauf wird ambulant durchgeführt, eine Narkose ist nicht notwendig. Bei Patienten, die nicht nach dieser Methode behandelt werden können, wird Knochenmark entnommen, und zwar aus verschiedenen Stellen des Beckenknochens.

3 Schritte einer Blutstammzelltransplantation

Die autologe Blutstammzelltransplantation

Bei der autologen SZT werden vom Patienten selbst Stammzellen entnommen, und zwar meist aus dem Blutkreislauf und nicht direkt aus dem Knochenmark. Mit den eigenen Stammzellen können allerdings auch Tumorzellen, welche die chemotherapeutische Behandlung überstanden haben, wieder in den Körper gelangen und für ein Wiederauftreten der Erkrankung sorgen.

Die allogene Blutstammzelltransplantation

Auch bei der allogenen SZT werden die Stammzellen meist aus Blut und nicht aus Knochenmark gewonnen. Der entscheidende Unterschied zum autologen Verfahren: Bei der allogenen SZT kommen nicht die Stammzellen des Patienten selbst, sondern die eines geeigneten Spenders zum Einsatz. Ein Spender ist dann geeignet, wenn dessen HLA-Merkmale mit denen des Stammzellenempfängers möglichst weitgehend übereinstimmen und der so genannte Graft-versus-Myeloma-Effekt zum Tragen kommt (siehe Info-Box).HLA steht für „Humanes Leukozyten-Antigen“: Die Gene, die nach dieser Systematik definiert sind, bisher sind rund 7.000 solcher Merkmale bekannt, müssen bei Spender und Empfänger identisch sein. Dies ist zum Beispiel häufig, aber nicht immer, bei Geschwistern der Fall. Je „weiter weg“ die Verwandten zueinander sind, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit, einen genetisch geeigneten Spender zu finden. Internationale Spenderdatenbanken führen in sehr vielen Fällen zu einer erfolgreichen Suche.

Graft-versus-Myeloma-Effekt:

Immunologischer Wirkmechanismus bei der allogenen SZT. Das Immunsystem des Spenders richtet sich gegen die Myelomzellen des Erkrankten und bekämpft sie. Dadurch kann eine Rückführung der Erkrankung verlängert werden. Problem: Bei der allogenen SZT kann es auch zur unerwünschten Graft-versus-Host-Erkrankung kommen. Dabei richtet sich das Immunsystem des Spenders gegen gesunde Organe es Kranken. Die Folgen können lebensbedrohlich sein.

Belastungen, Nebenwirkungen, Risiken

Eine SZT kann für den Patienten sehr belastend sein. Das Immunsystem des Patienten wird durch die Zerstörung des Knochenmarks auf eine harte Probe gestellt. Die Gefahr von Infektionen durch Pilze, Bakterien und Viren erhöht sich. Deshalb kommen die Patienten vor und nach der Operation in eine sterile Umgebung und erhalten entsprechende Medikamente. Vor allem bei der allogenen Transplantation kann es zu Unverträglichkeiten oder gefährlichen Abstoßungsreaktionen kommen. Es besteht zudem das Risiko, dass die Behandlung nicht erfolgreich war, die Blutbildung nicht in Gang kommt und das Knochenmark nicht „anwächst“. Wenn alles gut geht, dauert es bis zu einem Jahr, bis das Abwehrsystem wieder „normal arbeitet“.

Autolog und Allogen

Autologe SZT:
Hier kommen Stammzellen vom Patienten selbst zum Einsatz.
Allogene SZT:
Dabei werden Stammzellen eines Familien- oder Fremdspenders eingesetzt.

Quellen:
  1. Patienten-Handbuch „Multiples Myelom“ Medizinische Klinik V, Universitätsklinikum Heidelberg und Nationales Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg (NCT) 13. überarbeite Auflage, Heidelberg 2014
  2. http://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/therapieformen/stammzelltransplantation.html (zuletzt besucht am 09.04.2018)