Definition

Beim Multiplen Myelom breiten sich bösartige – medizinisch: maligne – Plasmazellen im Knochenmark aus, die sogenannten Myelomzellen. Im Körper eines gesunden Menschen beträgt der Anteil „normaler“ Plasmazellen im Knochenmark weniger als 5 %. Plasmazellen sind ein wesentlicher Teil unseres Immunsystems und haben eine zentrale Bedeutung bei der Abwehr von potenziellen Angriffen auf das Immunsystem. Bei einem Multiplen Myelom verändert sich diese Situation grundlegend: Aus einer einzigen defekten Plasmazelle entstehen bösartige Plasmazellen, die sich schließlich weitgehend unkontrolliert im Knochenmark teilen und ausbreiten. Bei Menschen mit einem Multiplen Myelom finden sich meist über 10 % bis zu 90 % maligner Plasmazellen – Myelomzellen – im Knochenmark. Ein symptomatisches Multiples Myelom wird nach den sogenannten CRAB-Kriterien definiert - in Abgrenzung zur MGUS-Erkrankung, einer Vorstufe des Multiplen Myeloms, und zum sogenannten „smoldering Myeloma“, die beide keine Symptome zeigen. Mehr zu den CRAB-Kriterien in der Info-Box.

Antikörper? Immunglobuline? Monoklonal? Polyklonal?

Ein wenig Wissenschaft:
Plasmazellen sind ein wesentlicher Teil unseres Immunsystems. Sie bilden die Antikörper, die auf die Abwehr von „Angreifern“ auf das Immunsystem spezialisiert sind. Plasmazellen entstehen aus den lymphatischen Vorläuferzellen und produzieren eine Vielzahl verschiedener Antikörper, die sogenannten Immunglobuline. Diese Immunglobuline sind nach dem universellen biochemischen Schlüssel-Schloss-Prinzip auf jeweils ein spezifisches Antigen spezialisiert und können dieses entsprechend wirkungsvoll abwehren. „Normale“ Plasmazellen bilden „polyklonale“, also vielartige Antikörper. Diese Differenziertheit sorgt dafür, dass Erkennung und Abwehr einer Vielzahl von Antigenen möglich ist. Myelomzellen hingegen sind genetisch identische Zellklone, entstanden aus einer einzigen defekten Plasmazelle. Entsprechend werden nur „monoklonale“, also einheitliche, nicht-funktionale Antikörper (oder Bruchstücke davon), im Übermaß produziert, das M-Protein.

Was passiert dann?

Wenn sich Myelomzellen im Knochenmark ansiedeln und ausbreiten, hat dies immense Folgen für den menschlichen Organismus und das Immunsystem: Die „Bösen“ verdrängen in diesem krankhaften Prozess die „Guten“, also die Myelomzellen die gesunden blutbildenden Plasmazellen, die roten und weißen Blutkörperchen. Dadurch kommt es zu einer nachhaltigen Schwächung des Immunsystems, die Infektionsgefahr steigt.
Durch den rasanten Teilungsprozess der Krebszellen, in der Fachsprache Proliferation, kommt es außerdem zu Schädigungen der Knochen und bei vielen Patienten zu einer Auflösung der Knochensubstanz („Osteolyse“) und Knochenbrüchen. Der Grund dafür sind die sogenannten Osteoklasten: Als Gegenspieler der knochenaufbauenden Osteoblasten sind Osteoklasten für den Knochenabbau und die Hemmung des Knochenaufbauprozesses verantwortlich. Für den Patienten ist dies mit zum Teil erheblichen Schmerzen und Einschränkungen der körperlichen Mobilität verbunden. Hinzu kommt, dass durch die Osteolyse vermehrt Kalzium freigesetzt wird und in die Blutbahn gelangt. Die Folge sind Funktionsstörungen von Organen, bis hin zu einem akuten Nierenversagen. Mehr zu den Symptomen des Multiplen Myeloms finden Sie hier. Bei den meisten Betroffenen kommt es trotz intensiver Therapie – nach der sogenannten „Erstlinientherapie“ – zu einer erneuten Erkrankung, einem sogenannten Rezidiv. Mehr zu diesem Thema erfahren Sie hier.

Symptomatisches Multiples Myelom: CRAB-Kriterien

C (für Calzium) → Kalziumkonzentration im Serum >10,5 mg/dl, > 2,75 mmol/l

R (für renal, englisch „auf die Nieren bezogen“) → Niereninsuffizienz, Kreatininwert > 2mg/dl

A (für Anämie, Blutarmut) → Hämoglobinkonzentration < 10mg/dl oder 2g/dl unter dem Normwert

B (für bone, englisch „Knochen“) → Knochenerkrankung liegt vor, Osteolysen und / oder Osteoporose

Wenn diese 4 Kriterien erfüllt sind, ist das Krankheitsbild eines symptomatischen Multiplen Myeloms gegeben. Das Krankheitsbild wird außerdem – je nach Schweregrad – unterschiedlich klassifiziert. Mehr dazu finden Sie hier.

Immunglobuline (abgekürzt Ig):Auch Antikörper genannt. Gegenspieler der Antigene.

Gesundes KnochenmarkKrankes Knochenmark

Quellen:
  1. Patienten-Handbuch „Multiples Myelom“ Medizinische Klinik V, Universitätsklinikum Heidelberg und Nationales Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg (NCT), 13. überarbeite Auflage, Heidelberg 2014
  2. https://www.myelom.org/ (zuletzt besucht am 09.04.2018)